Je weiter das Thermometer unter die Null-Grad-Grenze wandert, desto ungemütlicher wird es für uns Outdoorfreaks. Die langen Skitouren werden wegen bitterkalter Zehen und Finger zur Tortur und das teure Tagesticket, das wir uns gekauft haben, können wir kaum ausnützen, weil wir den Großteil des Tages damit verbringen, uns an den Ofen einer urigen Hütte zu kuscheln. Doch wie schaffen wir es, selbst bei arktischen Temperaturen einen kühlen Kopf zu bewahren (Achtung, Wortspiel)? Welche Tipps und Tricks helfen wirklich, um uns warm zu halten und um die positiven Nebenwirkungen kalter Tage bewundern zu können: das Glitzern der Eiskristalle, das Knirschen des Schnees und die Ruhe, die mit frostigen Temperaturen einhergehen.


1. Wollen-Power

Natur bewährt sich, Wolle schlägt synthetische Materialien allemal. Bis heute ist es nicht gelungen, eine Kunstfaser zu entwickeln, die über dermaßen viele nützliche Eigenschaften wie die Wolle verfügt. Selbst wenn wir schwitzen oder Wolle aus anderen Gründen nass wird, hält sie warm. Denn Wolle ist hygroskopisch und in der Lage, Wasserdampf – also Körperfeuchtigkeit – aufzunehmen. Sie kann Feuchtigkeit sowohl in der Faser als auch zwischen den Fasern einlagern. Es klingt verrückt, aber Wolle kann bis zu 30 Prozent des Eigengewichts an Feuchtigkeit absorbieren, ohne sich spürbar feucht anzufühlen. Demnach produziert Wolle sogar Wärme, wenn sie nass ist.


2. Ingwer wärmt von Innen

Tee, Heiße Schokolade oder Kaffee mögen uns zwar kurzfristig wärmen – immerhin wird es uns meist schon wohlig-warm, wenn wir eine heiße Tasse in unseren Händen halten – doch lange hält der Effekt nicht an. Anders ist das bei Ingwer Tee. Denn die Wurzel der Ingwer-Knolle wirkt durchblutungsfördernd. Dafür reicht es, ein paar dünn geschnittene Ingwerscheiben 20 Minuten lang in Wasser aufzukochen, das Ganze in eine Thermoskanne zu geben und in den Rucksack zu packen. Wem purer Ingwer-Tee zu scharf ist, der kann das Ganze mit Honig süßen oder Zitronensaft hinzugeben. Dieselbe Wirkung wird übrigens auch scharfem Essen, wie mit Chili gewürzten Gerichten, nachgesagt.


3. Zwiebelprinzip

Hinter dem Zwiebelprinzip steckt mehr als wir oftmals denken. Schichten wir unsere Gore-Tex-Jacken, Woll-Tops und Daunenweste richtig, so können wir einen besseren Wärmeeffekt erzielen, unsere Schweißproduktion verringern und außerdem Schichten einfach ausziehen, wenn es uns doch zu heiß wird. Dafür müssen wir jedoch einige Regeln beachten:

  1. Schicht (Baselayer): Merinowolle ist für die erste Schicht besonders geeignet. Das Material fühlt sich auf der Haut angenehm an, leitet Schweiß ab und trocknet schnell.
  2. Schicht (Isolationsschicht): Sollte im Idealfall für den Kälteschutz sorgen und ist vor allem bei arktischen Temperaturen von hoher Bedeutung. Hier eignen sich besonders Kunstfasern wie hochwertiges Fleece, das sich dadurch auszeichnet, dass es atmungsaktiv und isolierend wirkt.
  3. Schicht (Windschutz): Vor allem leichte Softshell-Jacken eignen sich dafür, den Wind abzublocken. Softshell erweist sich hier als besonders passend, weil das Material bequem, atmungsaktiv und besonders winddicht ist (solange es regelmäßig imprägniert wird).
  4. Schicht (Nässeschutz): Eine Jacke aus Hardshell oder Gore-Tex hält selbst starkem Regen problemlos stand. Gore-Tex und Hardshell sind jedoch nur bei Nässe zu tragen, da sie weder warmhalten noch atmungsaktiv sind.

Daunenjacken können zusätzlich zwischendrin eingebaut werden. Daunen halten immerhin enorm warm, sind leicht und können platzsparend im Rucksack verstaut werden.


4. “Warmen” Kopf bewahren

Wie warm wir unseren Körper auch halten mögen, wenn wir unseren Kopf ungeschützt lassen, bringt uns das alles nichts. Über den Kopf geht immerhin am meisten Wärme verloren. Bei eisigen Temperaturen sind Mützen aus Merinowolle zu empfehlen. Bei Feuchtigkeit und Niederschlag hilft zudem die Kapuze unserer Soft- oder Hardshell-Jacke.


5. Hände & Füße

Auch bei den Händen können wir uns an die Regeln des Zwiebelprinzips halten. Dünne Seidenhandschuhe unter gummierten Handschuhen sorgen für ultimative Wärme. Ähnlich wirken jedoch auch mit Wolle gefütterte Handschuhe. Ihre Zehen hingegen freuen sich über Socken aus Merinowolle.


6. Das richtige Essen

Laut Vertretern der traditionellen chinesischen Medizin, gibt es kühlende und wärmende Lebensmittel. Fenchel, Ziegenkäse, Lamm, Wild, Nüsse und Samen sollen demnach gut für kalte Tage sein. Mandarinen – der Snack-Klassiker für Ausflüge in den Bergen – hingegen sind alles andere als passend für tiefe Temperaturen. Dasselbe gilt für Rohkost oder sogar für Bananen, die auch eine kühlende Wirkung auf unseren Körper haben.


7. Kälteschutz für das Gesicht

Schützen wir unser Gesicht nicht vor Kälte und UV-Strahlung, können irreparable Schäden entstehen. Wasserfreie oder wasserarme Cremes wie Hautöle, Lipogele oder Fettpasten können vor Schäden schützen. Denn durch das Auftragen von entsprechenden Cremes bildet sich auf der Haut eine dünne Schutzschicht, die Kälte abhält. Die Creme sollte zusätzlich unbedingt einen hohen Lichtschutzfaktor haben. Die UV-Strahlung ist in höheren Lagen immerhin um ein Vielfaches stärker als im Tal und der Schnee sorgt für zusätzliche Reflexion.


8. Auf künstliche Wärme verzichten

Quellen für künstliche Wärme machen nur kurzfristig glücklich. Knick-Handwärmer, heizende Sohlen oder andere Wärmequellen wirken meist nur für kurze oder zumindest begrenzte Zeit. Lässt die künstliche Wärme nach, so fühlt sich die Kälte nur noch intensiver und unerträglicher an. Viel besser ist es, sich langfristig gegen Kälte abzuhärten. Dafür hilft regelmäßiges Saunieren, barfuß gehen im Schnee oder wie es Skandinavier traditionell machen: einmal im Jahr im eiskalten See oder Meer schwimmen zu gehen.

9. Mentale Stärke gegen Kälte

Wie so vieles, ist auch das Frieren Kopfsache. Stellen wir uns positiv auf die Kälte ein, so bereiten wir uns mit der richtigen Ausrüstung auch gut auf die niedrigen Temperaturen vor. Wir sollten uns anstatt der unbequemen Wirkung, die die Kälte auf unseren Körper hat, viel stärker auf die positiven Nebenwirkungen fokussieren, die mit niedrigen Temperaturen einhergehen. Denn nur bei vielen Graden unter null glitzern die Eiskristalle so schön, knirscht der Schnee so laut und sind die Pisten so leer.