Regelmäßig reisen wir in die Ferne, auf exotische Inseln mit exotischen Namen, genießen exotisches Essen und erforschen exotische Kulturen. Unsere Reise-Bucketlist wird trotzdem immer länger. Die wenigen freie Tage im Jahr verschwenden wir mit langen Anreisen, die oftmals im Stau auf dem Weg zum Flughafen beginnen, mit Hetzerei zum Gate und dem Kampf mit der Gepäckwaage, die erbarmungslos den Übergepäckzuschlag einfordert.. Nach all den Strapazen wachen wir am nächsten Morgen völlig jetlagged auf, ärgern uns über die Klimaanlage im Hotelzimmer und über den Blick aus dem Fenster, der nicht wie versprochen bis zum Meer, sondern gerade einmal bis zur nächsten Hotelburg reicht. Na Prost, Mahlzeit!

Sommerabendstimmung am Wilden Kaiser. © Max Drager

All das scheint Österreicher und Deutsche nicht abzuschrecken: Laut einer Studie der Statistik Austria haben fast 12 Prozent der Österreicher ihren Urlaub im Jahr 2019 außerhalb Europas verbracht. In Deutschland waren es gar 17 Prozent der Bevölkerung, wie die Ergebnisse einer Studie der deutschen Tourismusanalyse der BAT-Stiftung zeigten. Fernreisen lagen vor Corona klar im Trend. Die omnipräsente Klimadebatte schien bei vielen nicht zu fruchten, die Umsätze der Billig-Airlines florierten, Flugscham schien lediglich ein viel-beschriebenes Modewort – jedoch kein wirklich existierendes gesellschaftliches Phänomen.

Dabei sind Fernreisen wohl die schädlichste Art zu urlauben. Ein Langstreckenflug verursacht pro Person eine Unmenge an Schadstoffen, die zur Erderwärmung beitragen und den Treibhauseffekt verstärken.

Mit CO2-Kompensation versuchen sich Reisende ihr Gewissen “reinzukaufen”. Doch auch wer den CO2-Ausstoß seiner Flugreise mit Geld kompensiert, schadet dem Klima.  Wer wirklich etwas für den Klimaschutz tun will, muss eine Alternative zu Langstreckenflügen finden – die Bahn oder den Bus nehmen... oder eben zu Hause zu bleiben. 

Urlaub zu Hause klingt wie ein Oxymoron, ein Widerspruch in sich selbst. Doch spätestens seit das C-Wort unsere Welt beherrscht, ist Urlaub zu Hause wohl nicht mehr nur eine Alternative sondern in nächster Zeit unsere einzige Option. Bis Österreicher und Deutsche wieder Cocktails in Mexiko schlürfen, Thailand-Rundreisen und Safaris in Afrika unternehmen können, wird es wohl dauern.

Herbst am Hechtsee in den Brandenberger Alpen in Tirol. © Max Draeger

Bis dahin müssen wir uns mit dem zufriedengeben, was direkt vor unserer Haustüre liegt. Und seien wir uns mal ehrlich: die Berge, Seen, weiten Felder und idyllischen Landschaften – wollen wir wirklich von Freiheitsberaubung sprechen, wenn wir all das genießen dürfen? 

Menschen aus aller Welt reisen jedes Jahr nach Tirol. Die Alpen gelten weltweit als Inbegriff der Bergidylle, als Non-Plus-Ultra einzigartiger Naturschauspiele und fulminanter Kultur. Unsere Heimat kennenzulernen bedeutet außerdem, uns selbst besser kennenzulernen: die Berge, auf denen wir die ersten Schwünge auf Skiern gezogen haben, die Seen, in denen wir schwimmen lernten und die Felder, auf denen schon unsere Vorahnen Landwirtschaften betrieben.

Zugegeben, der Satz “Das Gute liegt so nah” klingt abgedroschen, aber wenn wir uns ehrlich sind… dann ist da schon viel Wahres dran! Viele kennen die Strände auf den Kanaren und Mallorca besser als die Perlen, die direkt vor ihrer Haustür liegen.

© Max Draeger

Es wird also höchste Zeit hier etwas ins rechte Licht zu rücken und zehn gute Gründe zu präsentieren, die für den Urlaub in der Heimat sprechen. Vorhang auf für den Reisetrend, der lautet: Kufstein statt Kapstadt, Nauders statt New York City, St. Johann statt St. Petersburg, Innsbruck statt Istanbul, München statt Mexiko City und Hall statt Hongkong:

10 Gründe für den Urlaub in der Heimat

  1. Urlaub in der Heimat ist nachhaltiger. Verzichten wir auf Flugreisen, so verringern wir unseren ökologischen Fußabdruck und schonen die Umwelt. Für einen Urlaub in unserer Gegend brauchen wir keinen Langstreckenflug, keine lange Anreise mit dem Auto oder großen Hotelketten, die Unmengen an Strom, Wasser und andere Ressourcen verbrauchen.
  2. Tiroler Bergluft als Jungbrunnen. Gibt es etwas besseres für unsere Gesundheit als die frische Tiroler Bergluft? Weit weg von Autobahnen und Industriegebieten, am Gipfel unseres Hausberges können wir tief ein- und ausatmen und unsere Lungen mit purer Tiroler Qualitätsluft füllen. 
  3. Urlaub zu Hause kurbelt die heimische Wirtschaft an. Anstatt großer Hotelketten im Ausland und billiger Airlines unterstützen wir durch den Urlaub in den Alpen kleine Hütten am Berg, Hotels in Familienbesitz bis hin zu Landwirten, deren frische Produkte wir konsumieren. Wir unterstützen lokale und kleine Unternehmen und unterstützen damit unsere Nachbarn.
  4. Over-Tourism den Kampf ansagen. Venedig, Bali oder Island – all diese Ziele erfuhren in den vergangenen Jahren einen Touristen-Ansturm. Was passiert, wenn wir zu Hause bleiben, haben uns die vergangenen Wochen gezeigt: Bilder von glasklarem Wasser in Venedigs Kanälen gehen um die Welt. Messungen der Luftqualität in China und Italien kamen zu den besten Ergebnissen seit Jahrzehnten. Die Erde erholt sich. 
  5. Urlaub zu Hause ist entspannter und erholsamer. Wer Urlaub zu Hause in den Tiroler Alpen macht, für den sind Jetlag, ungemütliche Langstreckenflüge, stundenlange Anreisen und Menschenmassen Fremdwörter.. In den Bergen erwartet dich pure Idylle und Entspannung.
  6. Urlaub in der Heimat ist preiswerter. Kürzere Anreise, kein Mietwagen, kein teures All-Inclusive-Hotel und vor allem kein Flug – mit dem Urlaub in der Heimat tun wir nicht nur der lokalen Wirtschaft, sondern auch unserem eigenen Geldbeutel einen Gefallen.
  7. Urlaub in der Heimat rentiert sich auch bei kürzeren Zeitspannen. Wer will schon auf die Malediven, wenn er nur ein verlängertes Wochenende zur Verfügung hat? Für Kurztrips sind nahe Ziele die beste Wahl.
  8. Alle können mit! Wer Urlaub in den nahen Bergen macht, der kann Oma, Opa, kleine Kinder und den Hund einpacken, ohne diese zu sehr zu strapazieren. Entspannende Tage am Bio-Bauernhof mit der ganzen Familie – gibt’s was Schöneres?
  9. Keine Sprachbarriere. Bonjour? Hola? Ciao? Nein, in Tirol kommen wir ganz ohne Wörterbuch aus und können reden, wie uns der Schnabel wächst. Servus und Pfiat di!
  10. Wir lernen unsere Heimat so richtig kennen.  Kennen wir wirklich jeden Bergsee in unserer Umgebung, jeden atemberaubenden Gipfel und jede Hütte? Könnten wir Freunde aus dem Ausland problemlos tage- und wochenlang guiden, ihnen zeigen, wo es den besten Kaiserschmarrn, die süßesten Apfelschorle und den pfiffigsten Schnaps gibt? Worauf warten wir also? Lernen wir unsere Heimat besser kennen als alle anderen, entdecken wir die verstecktesten Winkel und idyllischsten Orte.