Schritt für Schritt kommt der Tourismus im Alpenraum wieder ins Rollen. Menschen dürfen sich allmählich wieder Erfrischung in glasklaren Bergseen holen, auf den Terrassen uriger Hütten Kaiserschmarrn essen und den Blick über imposante Berge schweifen lassen. Doch mit dem Privileg, reisen zu dürfen, geht auch Verantwortung einher. Verantwortung, die wir ernst nehmen müssen. Immerhin steht das Reisen schon lange im Fegefeuer der Kritik. Schon allein das Fliegen ist für mindestens 2,5 Prozent der jährlich ausgestoßenen CO2-Emissionen verantwortlich. Doch neben der An- und Abreise zum Urlaubsort, sind die Unterkünfte die größten Verursacher von CO2-Emissionen: 24/7-Beleuchtung, Unmengen an Plastikverpackungen, Klimaanlagen, Poolheizungen, Bäder und Spas – all das belastet die Umwelt. Um nachhaltig(er) zu reisen, müssen wir bei der Wahl des Hotels, der Hütte, der Pension oder des Apartments also verantwortungsbewusst vorgehen. Bergluft verrät 10 Tipps, wie wir für unseren nächsten Urlaub in den Bergen nachhaltige Unterkünfte finden können. 


  1. Familienbetrieb statt Kette

Statt internationale Hotelketten zu buchen, empfiehlt es sichinhabergeführte Unterkünfte in der Hand von lokalen Betreibern zu buchen. So können wir sichergehen, dass das Geld in dem Ort bleibt, in dem wir Urlaub machen. Das kurbelt die lokale Wirtschaft und schafft es zudem, dass regionale Werte und Traditionen gefördert werden. 


  1. Auf seriöse Siegel achten

Praktisch jedes Produkt und jede Dienstleistung, die heutzutage angeboten wird, wird mit Siegeln, Zertifikaten und sonstigen Bescheinigungen überhäuft, die dem potentiellen Käufer einbläuen sollen, wie “grün”, qualitativ hochwertig und nützlich die Dinge doch seien. Allein in der Tourismusbranche gibt es bereits über 140 internationale Labels. Dazu kommen die Labels der einzelnen Länder. Aber Achtung: Nicht alle Siegel sind seriös. Zunächst sind regionale, spezialisierte und internationale Zertifikate zu unterscheiden. Manche Siegel orientieren sich an ökologischen Kriterien, andere decken auch soziale und wirtschaftliche Faktoren ab. Wir sollten also auf die Kriterien der jeweiligen Zertifikate achten und die Beschreibung des Labels lesen, um mit gutem Gewissen buchen zu können. 


  1. Kritiken lesen

Immer mehr Reisende legen Wert auf die die Umwelt. Aus diesem Grund sammeln sich auf vielen Buchungsportalen auch Kritiken von Hotelgästen, die Information zur Umweltfreundlichkeit der jeweiligen Unterkunft geben. So können wir durch die Erfahrungen von früheren Besuchern schon im Vorfeld erkennen, ob wir den Aufenthalt in dem Hotel, der Pension oder Hütte mit unserem grünen Gewissen vereinbaren können. 


  1. Der erste Eindruck zählt

Oft erkennen wir erst vor Ort, dass die Unterkunft ein wahrer Öko-Albtraum ist: in Plastik verpackte Badeschlappen, Unmengen an kleiner Kunststoff-Kosmetik-Behälter, bei Betreten des Zimmers läuft die Klimaanlage auf Hochtouren und der große Betonklotz, der das Hotel beherbergt, passt so gar nicht in die Landschaft. Wenn wir schlechte Erfahrungen machen, können wir das bereits gezahlte Geld meist nicht zurückverlangen, doch wir können andere Menschen darauf aufmerksam machen, die Unterkunft nicht zu buchen. Wir können detaillierte Kritiken im Internet hinterlassen, zukünftige potentielle Gäste warnen und können darüber hinaus die Betreiber der Unterkunft auf unsere Beobachtungen hinweisen.


  1. Hotels in traditioneller Bauweise bevorzugen

Wir kennen sie alle: Graue, 20-stöckige Betonbauten direkt am Strand, hyper-moderne, unpassende Luxushäuser mitten in einem Bergdorf. Ein nachhaltiges Hotel-Management hingegen zeichnet sich dadurch aus, dass es nicht einfach ein x-beliebiges Haus in die Landschaft setzt. Im Idealfall sollte die Architektur zum Stil der Region passen, es sollte Wert auf lokale, umweltfreundliche Baumaterialien und Einrichtungsgegenstände gelegt und lokale Handwerker und Designer zu Rate gezogen werden. 


  1. Selbsternannte Öko-Unterkünfte hinterfragen

Die globale Reisebranche erfährt seit einigen Jahren einen deutlichen Trend: Eco-Lodges, Öko-Hotels, Green Traveling. Gemeint sind umweltfreundliche Reiseoptionen. Doch nicht alle scheinbar “grünen” und umweltbewussten Unterkünfte halten, was sie versprechen. Mit der altbewährten Marketing-Strategie des “Greenwashings” wollen sich große Unternehmen oder Hotelketten selbst das Öko-Siegel verleihen, um ihr Image aufzupolieren und Gäste zu gewinnen. Ein Hotel, das mit Nachhaltigkeit und Regionalität wirbt, nur weil es seinen Butter am Frühstücks-Buffet vom heimischen Bauer bezieht, ist es nicht automatisch nachhaltig. Trotzdem sind wir auf dem richtigen Weg, wenn wir uns an Öko-Hotels oder Eco-Lodges halten, solange wir deren Strategie und Betrieb im Vorfeld hinterfragen. 


  1. Auf Regionalität achten

Bei Regionalität geht es, wie bereits erwähnt, nicht nur darum, heimische Produkte anzubieten. Regionalität hat viele Facetten. So sollten wir auch Wert darauf legen, dass die Unterkunft im besten Fall die lokale Bevölkerung mit einbezieht, dass das Hotel Empfehlungen für Restaurants, Sehenswürdigkeiten und Unternehmen in der Region ausspricht oder wie es beim Bergurlaub der Fall ist, Verbindungen mit lokalen Guides oder Skilehrern herstellt. 


  1. Hotel-Websites durchforsten

Unterkünfte, die es mit Nachhaltigkeit wirklich ernst meinen, zeigen das auch auf ihrem Internetauftritt. Wenn Hotels Transparenz durch Fotos, Links, Beschreibungen und Bewertungen schaffen, können wir uns ein echtes Bild von der ökologischen Lage machen. 


  1. Gute Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln

Öffis und Nachhaltigkeit sind in der heutigen Welt nicht mehr zu trennen. Nur wenn wir dazu bereit sind, auf die Anreise mit Flugzeug und Auto zu verzichten, können wir unseren Urlaub nachhaltig gestalten. Aus diesem Grund ist es so wichtig, Unterkünfte zu wählen, die einen guten Anschluss zu Bus oder Bahn haben. Das erleichtert nicht nur die umweltfreundliche(re) An- und Abreise sondern auch “grüne” Fortbewegung während des Aufenthalts. 


  1. Über Reise-Portale buchen, die sich für Nachhaltigkeit einsetzen

Bookitgreen, BookDifferent, Fairunterwegs.org, “forum anders reisen”, Good Travel – diese und viele andere Portale ermöglichen es uns, nachhaltige Unterkünfte auf der ganzen Welt zu finden und zu buchen. Die einzelnen Plattformen legen dabei Wert auf unterschiedliche Schwerpunkte wie beispielsweise die Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung des jeweiligen Landes, entwicklungspolitische Aspekte, soziale Hilfe oder Regionalität. Zudem bieten die Portale wichtige Informationen rund um nachhaltiges Reisen am gewünschten Urlaubsort. 


Es gibt unzählige Kriterien, an denen wir erkennen können, ob Unterkünfte nachhaltig sind oder nicht. Kein Hotel erfüllt sie alle. Doch je mehr Punkte die jeweilige Unterkunft erfüllt, desto beruhigter können wir unseren Aufenthalt dort buchen. Einen Urlaub mit gutem und grünem Gewissen zu genießen, ist immerhin viel befriedigender als das energiefressende All-Inclusive-Angebot einer Hotelkette zu wählen.