Nachdem Sir Ernest Shackletons Expedition in die Antarktis 1912 dramatisch scheiterte und die Crew das Expeditionsschiff im Packeis zurücklassen musste, ging es für den Entdecker und sein Team ums reine Überleben. In der scheinbar ausweglosen Situation der im Weddell-Meer dem arktischen Wetter ausgesetzten Männer konnte Shackleton durch Optimismus, Moral, Einfühlungsvermögen, Verantwortungsbewusstsein und die Ansicht, dass jeder Rückschlag eine Chance bietet, sein Team sicher wieder nach Hause bringen.

Nach Ende der Expedition war es der Wunsch des Forschungsreisenden, über sein regelmäßig geführtes Tagebuch hinaus ein Buch zu veröffentlichen, das die psychologischen Aspekte der Expedition und seiner Teilnehmer behandelte. Leider erlag er im Jahr 1922 einem Herzanfall, bevor er diesem Wunsch nachgehen konnte.

Dieser Aufgabe nahmen sich die Autorinnen Margot Morrell und Stephanie Capparell an. Durch die Kombination des Berichts der Expedition, der psychologischen Analyse des Handelns der Teilnehmer und der Verbindung mit aktuellen Geschichten, in denen Menschen in ihrem Handeln durch Shackelton inspiriert wurden, kombiniert das Buch dramatische Spannung mit lehrreichen Passagen.


“Sudden the worst turns the best to the brave.“


Die Geschichte der Antarktisexpedition ist eine Aneinanderreihung dramatischer und lebensbedrohlicher Ereignisse. Trotzdem vermerken zahlreiche Teilnehmer in ihren Tagebüchern, die glücklichsten Tage ihres Lebens auf der Reise erlebt zu haben.

Die Crew startete am 1. August 1914 mit 28 Männern, einem blinden Passagier und 69 Schlittenhunden. Trotzdem sie von norwegischen Walfängern vor den außergewöhnlichen Mengen Packeis im Weddel-Meer gewarnt wurden, brachen sie in Anbetracht des Zeitdrucks im Wettbewerb mit anderen Expeditionen und der Knappheit des Ressourcenvorrats Richtung Südpol auf. Am 19. Januar 1915 wurde die Endurance von Packeis eingeschlossen und Shackleton war klar, dass eine Befreiung aus dem Eis bis zum antarktischen Frühling, also acht bis neun Monate dauern würde. Letzendlich wurde das Schiff durch die mächtigen, sich bewegenden Eisblöcke zerdrückte und musste zurückgelassen werden.

Zu Fuß begann die Crew mit sparsamen Gepäck und den Rettungsbooten der Endurance den Marsch in Richtung Paulet Island, einer unbewohnten Insel, die zumindest Schutz versprechen sollte. Nachdem das Eis merklich zu schmelzen begann, wagte die Mannschaft den Versuch, mit den Rettungsbooten eine andere Insel, Elephant Island, anzusteuern, welche sie nach einer langwierigen und beschwerlichen Reise erreichten. Da Shackleton die Chancen, dort von Walfängern entdeckt und gerettet zu werden für sehr gering hielt, beschloss er, gemeinsam mit einer Handvoll ausgewählter Crewmitglieder in einem der Rettungsboote, der „James Caird“, das 700 Seemeilen entfernte South Georgia mit seiner Walfangstation anzusteuern.

Diese Mission schien so utopisch, dass die auf Elephant Island zurückgebliebenen Crewmitglieder der Überzeugung waren, ihren Boss zum letzten Mal gesehen zu haben. Nach 15 spektakulären Tagen auf See mit unerdenklichen Strapazen erreichte das Team um Shackleton die Südwestseite der Insel. Mit letzten Kräften durchquerten sie das vergletscherte Terrain und erreichten schließlich die Walfangstation, wo sie fassungslose Walfänger sprachlos und mit Tränen in den Augen in Empfang nahmen. Ebenso fassungslos war Shackletons auf Elephant Island zurückgebliebene Crew, als sie den Boss in einem Rettungsboot auf sie zufahren sahen, nachdem er vier Rettungsversuche unternahm um mit einem gecharterten Schiff seine zurückgebliebenen Männer zu bergen. Er begrüßte sie schlicht mit den Worten „Alle wohlauf?“.

Die Erzählung der Endurance-Expedition veranschaulicht das vorbildliche Führungsverhalten des Expeditionsleiters, welches insbesondere auch in Anbetracht der Zeit der Expedition (1914-1916) als besonders fortschrittlich gilt und unglaubliche Kraft und Zusammenhalt in der Crew bewirkt hat. Shackleton verstand es, sich konsequent selbst zum Wohle seines Teams aufzuopfern, wenn dieses auf Annehmlichkeiten verzichten mussten, die er ihnen bieten konnte. Als der Fotograf Hurley seine Handschuhe verlor, zog Shackleton seine eigenen aus und reichte sie ihm. Nachdem dieser sich weigerte, sie anzunehmen, drohte Shackleton, sie andernfalls über Bord zu werfen.

„Shackletons Führungskunst“ ist ein einzigartiges Beispiel für die Wichtigkeit von Optimismus, Selbstlosigkeit, Kameradschaft, Disziplin und Mut — nicht nur in Krisen oder im Unternehmertum, im Leben jedes einzelnen allgemein.