Die Empörung war hierzulande groß, als Mitte März ein Skigebiet nach dem anderen seinen Betrieb einstellte. Corona brachte die Lifte zum Stillstand, fegte die Pisten leer und sorgte in Österreichs Skiorten für geisterhafte Stimmung. In den Aprés Ski-Lokalen verstimmten die Schlager, die Hotels lagen brach und für Skifans begann eine lange Zeit des Wartens auf den nächsten Winter. Heute, viele Monate später, ist die Unsicherheit größer denn je. Kann es inmitten einer Pandemie “normalen” Skibetrieb geben? Wie könnte eine Corona-freundliche Skisaison aussehen? Fixe Antworten auf diese Fragen gibt es nicht. Doch um herauszufinden, wie Skifahren in Zeiten von Corona funktionieren kann, lohnt es sich, einen Blick zur südlichen Erdhalbkugel zu werfen. Australiens, Neuseelands und Südamerikas Skigebiete haben teilweise schon mehrere Wochen des Skibetriebs hinter sich und können eine Zwischenbilanz ziehen.

Zu den Skigebieten, die anfangs inmitten der Pandemie ihren Betrieb aufnahmen, zählt Mt. Buller in Australien. Mt. Buller liegt etwa 200 Kilometer östlich von Melbourne und gilt daher als “Hausberg der Melbourner”. Aktuell befindet sich der australische Bundesstaat Victoria und damit auch Mt. Buller zwar Corona-bedingt im Lockdown, doch in den Wochen zuvor liefen die Lifte. 

“Die Saison war anders”

Normal war die Saison bisher jedoch nicht. Das bestätigt auch Rhylla Morgan, die Pressesprecherin des Skigebiets. “Wir hatten deutlich weniger Gäste. Das lag vor allem an den Ausgangs- und Reisebeschränkungen, die allen voran unsere Gäste aus Melbourne daran hinderten, zu uns zum Skifahren zu kommen”, schreibt Morgan auf Anfrage von Bergluft. Mt. Buller sei diesen Winter hauptsächlich auf Gäste aus der nahen Gegend sowie auf jene Menschen angewiesen, die eine Ferienwohnung auf dem Berg besitzen und dadurch über einen speziellen Pass verfügen. Zu diesen Menschen zählt auch Cate Heathcote-Smith. Die Australierin kennt das Skigebiet seit ihren Teenager-Tagen, verbringt seit 2011 jeden Winter in Mt. Buller und gibt als Skilehrerin Menschen aus aller Welt ihre Leidenschaft weiter. Eine Saison wie diese hat selbst sie noch nie erlebt. “Dieser Winter ist anders. Ich fahre deutlich weniger Ski und seit in Victoria die Ausgangsbeschränkungen der Stufe 4 gelten, ist der Skibetrieb völlig eingestellt”, sagt Heathcote-Smith zu Bergluft. Doch selbst als die Lifte noch liefen, beeinflusste die Pandemie den Betrieb im Skigebiet stark. Wie alle anderen 16 Skiresorts Australiens musste sich Mt. Buller an strenge Maßnahmen halten und ein Corona-Sicherheitskonzept vorlegen. Auch Mt. Buller legte einen detaillierten Plan vor, der auch über die Webseite des Skigebiets einsehbar ist. 

Eine der vielen Maßnahmen bestand darin, dass Wintersport-Gäste nur dann Lifttickets erhielten, wenn sie diese im Vorfeld online kauften. Spontane Vor-Ort-Ticket-Käufe, wie sie in Skigebieten üblich sind, waren diese Saison nicht möglich. Es war also nicht möglich, einfach im Skiort anzureisen und dort den Liftpass zu kaufen. Dieses Jahr wurde nur einer stark begrenzten Anzahl an Menschen Zutritt zum Skigebiet gewährt. Doch auch diejenigen, die ein Ticket ergatterten, konnten sich nicht auf reibungslosen Skigenuss freuen. Strenge Regulierungen waren angesagt!

COVID-App, Teststation im Skigebiet, Masken in der Lift-Warteschlange

Das fing damit an, dass alle Besucher des Skiorts bzw. Skigebiets dazu aufgefordert wurden, sich die COVID Safe-App herunterzuladen – eine App, wie sie auch in europäischen Ländern gehandhabt wird – um Kontaktpersonen von Corona-Infizierten schneller tracken zu können. Wie hierzulande mussten auch die Hotels und Restaurants in australischen Skigebieten die Kontaktdaten aller Besucher festhalten und für mindestens 28 Tage aufbewahren. Die Anzahl an Tischen und Stühlen in Gastro-Betrieben wurde stark minimiert, um den Mindestsicherheitsabstand von zwei Metern garantieren zu können. In der Ortschaft wurde eine Teststation errichtet, bei der sich Besucher und das Personal jederzeit testen lassen konnten. Fiel der Test positiv aus, so mussten die Infizierten in strikte Selbstisolation. 

Doch nicht nur die Rahmenbedingungen erschwerten eine reibungslose Wintersaison. Selbst als die Skier einmal angeschnallt waren, wurde der Skitag stark von den Corona-Regulierungen beeinflusst. So bestand die Warteschlange am Skilift aus nur einer Reihe – selbst dann, wenn es sich um einen Sechser-Lift handelte. Markierungen und das Lift-Personal halfen dabei, die Warteschlangen zu organisieren und zu kontrollieren. “Die Skigäste wurden abgefertigt wie Rindvieh, immer nur eine Person durfte in die Warteschlange”, schildert Heathcote-Smith mit einem Schmunzeln. “Als die Beschränkungen in Victoria verschärft wurden, mussten wir sogar beim Anstehen am Lift Masken tragen.”

Auf die Lifte selbst durfte nur eine limitierte Anzahl an Personen. Skilifte wurden nur so besetzt, dass der Abstand von 1,5 Meter zwischen den Wintersportlern eingehalten werden konnte. Sechser-Lifte wurden mit nur drei Personen pro Lift besetzt, Vierer-Lifte mit zwei Personen und Dreier-, Zweier und Schlepplifte mit einer Person. Nur Familiengruppen, bzw. Gruppen vom gleichen Haushalt durften zusammen fahren. “Obwohl deutlich weniger Menschen im Skigebiet waren, musste man am Lift länger als gewöhnlich warten, weil die Lifte nicht voll besetzt werden konnten.”, so Heathcote-Smith. Das habe aber nicht nur an den Covid-bedingten Regeln gelegen. Die Skisaison stand auch ohne Pandemie unter einem schlechten Stern. “Wir hatten am Anfang unheimlich wenig Schnee, für Schneekanonen war es zu warm. Daher konnte das Skigebiet erst spät aufmachen und selbst dann konnten nicht alle Pisten und Lifte in Betrieb genommen werden, was dazu führte, dass sich die Skifahrer auf engem Raum austoben mussten”, erklärt die Australierin. 

Internationale Skilehrer konnten nicht anreisen

Doch nicht nur vielen australischen Wintersport-Fans machte der Virus einen Strich durch die Skisaison. Seit geraumer Zeit ziehen Mt. Buller und andere Skigebiete in Australien und Neuseeland Ski- und Snowboardlehrer von der Nordhalbkugel an. Wenn der Winter in Österreich, Italien, Frankreich oder Nordamerika endet, machen sich einige Wintersport-Lehrer auf den Weg nach Australien und Neuseeland, um ihre Expertise und ihr Können zu teilen. Diese Saison fielen diese Arbeitskräfte völlig weg, die Verträge ausländischer Ski- und Snowboardlehrer wurden aufgelöst. “Traurigerweise konnte unser internationales Team nicht nach Australien reisen, deshalb unterrichten dieses Jahr nur unseren einheimischen Stammlehrer”, erklärt Mt. Buller Pressesprecherin Rhylla Morgan gegenüber Bergluft. Die wenigen Skilehrer, die dieses Jahr am Berg arbeiteten, unterrichteten ausschließlich Privatstunden. Gruppenkurse fielen gänzlich weg.

Schwierige Zeit für Betriebe am Berg

Wie hierzulande der Tourismus im Frühsommer stark von Corona betroffen war, so war die Pandemie auch für die Betriebe in Mt. Buller eine echte Herausforderung. Hotels, Pensionen und Lodges blieben leer, die Einnahmen fielen zwischenzeitlich völlig weg. 

Einen Vorteil brachte Covid jedoch mit sich – zumindest aus Sicht der wenigen Hundert Einwohner von Mt. Buller und Gäste, die Dank eines speziellen Passes den Winter trotz Corona im Ort verbringen dürfen: “Wir haben den Berg jetzt für uns allein”, sagt Heathcote-Smith, die zu den Glücklichen zählt. “Die Zeit vertreiben wir uns mit Skitouren, Schneeschuh-Wanderungen oder mit Langlaufen. Es ist toll. Der Berg ist leer und jetzt haben wir auch noch richtig viel Schnee bekommen. Es fühlt sich an, als wären wir in einer winterlichen Geisterstadt”.

Wie viele der Maßnahmen auch unsere heimischen Skigebiete betreffen werden, ist noch völlig unklar. Die Vorbereitungen laufen zwar jetzt schon auf Hochtouren, Politik und Tourismus arbeiten eifrig an Sicherheitsplänen und Konzepten. Eines ist jedoch sicher: Auch Österreich muss sich auf eine etwas andere Skisaison einstellen.