Katrin, du bist deine ganze Kindheit und Jugend lang erfolgreich Skirennen gefahren und warst kurz danach unheimlich erfolgreich im Tanzsport. Wie kam es zu diesem schnellen Wechsel?

Ich habe schon als Kind getanzt, musste damit aber aufhören, als ich auf’s Skigymnasium kam, weil ich dort im Internat lebte und nicht trainieren konnte. Ich hab‘ mich dann also ein paar Jahre lang nur auf’s Skifahren konzentriert. Das hat mir zwar wirklich Spaß gemacht, aber das Skifahren war für mich immer logisch und selbstverständlich, ich hab‘ darüber gar nicht nachgedacht. In den Zeiten, in denen ich erfolgreich war, hat mir das auch getaugt. Aber es hat auch oft Momente gegeben, in denen ich mich gefreut habe, dass das Training vorbei war. Am Ende war es dann auch die richtige Entscheidung, mit dem Rennfahren aufzuhören. Ich musste einfach einsehen, dass ich mental nicht dafür geschaffen bin. Ich fing dann auch direkt wieder mit dem Tanzsport an, wurde mit meinem Tanzpartner Michael Geissler Österreichische Meister in der Kür und im Latein und durfte mit zur Weltmeisterschaft, wo wir in der Kür auf dem 12. Rang landeten. Es ging für mich also von einem Hochleistungssport direkt zum anderen. Im Herbst 2019 hab‘ ich dann aber auch mit dem Tanzen aufgehört, weil ich gemerkt habe, dass es mir zu oberflächlich wurde. Da hab‘ ich dann auch noch mal gemerkt, dass ich für den Spitzensport nicht gemacht bin.

Und wie bist du dann vom Ski- und Tanzsport zum Malen gekommen?

Zum einen hatte ich nach dem Ski- und Tanzsport einfach mehr Zeit für andere Hobbys, weil ich nicht ständig trainieren musste. Das Interesse für die Kunst und für’s Malen hab‘ ich schon sehr früh entwickelt. Meine Eltern sind beide sehr kultur- und kunstinteressiert und haben mir und meiner Schwester diese Leidenschaft mitgegeben. Obwohl sie beide weder malen, singen noch tanzen können, kommt es definitiv von ihnen, dass wir gerne kreativ arbeiten. Richtig angefangen zu malen habe ich aber erst vergangenes Jahr.

Haben deine Eltern dich im Bereich der Kunst auch aktiv gefördert und dich mit Malutensilien ausgestattet oder kam das Kunstmachen an sich von dir selbst?

Ich kann mich noch erinnern, dass ich in Berlin mal als Kind einen Künstler gesehen habe, der ein Bild von sich angeboten hat. Mir hat das so gut gefallen, was der gemacht hat, dass ich mir seine Karte mitgenommen habe und zu meinem Papa gesagt habe, dass ich das auch malen möchte. Der hat mir dann Leinwände und Farben gekauft und ich hab‘ einfach losgelegt. Das Ganze war natürlich ganz und gar nicht professionell. Ich hatte keine Ahnung, habe Ölfarben mit Acrylfarben gemischt, was überhaupt nicht geht. Während meiner Ski- und Tanzkarriere musste ich das Malen dann vernachlässigen. Ich hatte einfach keine Zeit und war viel unterwegs. Da hat das Malzeug dann natürlich auch nicht in den Koffer gepasst.  

Man hört und sieht gerade viel von dir und deinen Bildern. Hat das etwas mit Corona zu tun, damit, dass du jetzt einfach mehr Inspiration und Zeit zum Malen hast?

Ja, absolut. Wenn Corona nicht gewesen wäre, wäre ich wahrscheinlich gar nicht dazu gekommen. Ich hatte einfach mehr Zeit, konnte daheim auf der Terrasse malen und hatte nicht den Druck, mich ständig mit Leuten treffen zu müssen. Während der ersten Quarantäne im April hab‘ ich angefangen, kreativ zu arbeiten. Am Anfang hab‘ ich Hosentaschen mit Motiven bemalt. Das war meine erste Idee. Später kam dann das Malen dazu. Und zwar hab‘ ich das angefangen, weil ich einen Sommerjob gesucht hab‘ und mich dann irgendwann gefragt habe, warum ich nicht einfach versuche, meine Kunst zu verkaufen. Ich dachte mir, irgendwas werde ich schon verkaufen.

Das scheint ja gut geklappt zu haben. Wie groß ist der Anteil der Bilder, die du mittlerweile verkaufen kannst?

Mittlerweile verkaufe ich alle Bilder, die ich male. Bis Juli bin ich jetzt sogar komplett ausgebucht. Ich bin richtig dankbar, dass das so gut läuft. Vor allem, weil ich nicht mit diesem großen Interesse an meinen Bildern gerechnet habe. Ich arbeite auch gerade an Bildern für eine Ausstellung Anfang April in der Galerie im Zentrum in Fieberbrunn. Die Monate danach bin ich mit anderen Aufträgen voll ausgebucht. Also es läuft auf jeden Fall gut. Ich bin gespannt, wie es weiter geht. 

Mit welchen Farben und auf welchem Hintergrund malst du?

Ich male mit Acrylfarben auf Hartfaserplatten. Ich hab es erst mit Leinwänden versucht, dann mit Spanplatten und habe sogar eine Zeit lang auf Karton gemalt, aber am Ende hab ich die Hartfaserplatten also gute Lösung entdeckt.

Wie lang brauchst du in etwa für ein Bild?

An einem Bild im Format 50x70 male ich ungefähr sieben Stunden, wobei das meist von der Schwierigkeit des Motivs abhängt.

Wie hast du all das gelernt?

Mein Vater hat mir, als ich klein war, alle möglichen Acrylfarben gekauft. Damit hab‘ ich dann auch losgemalt. Ich habe weder einen Kurs besucht noch sonst irgendwie gelernt. Das kam einfach mit der Zeit. Ich hab’s wirklich einfach ausprobiert.

Viele Menschen fragen sich, ob man das Malen auf so hohem Niveau lernen kann oder ob man das in sich haben muss? Was glaubst du?

Das ist eine schwierige Frage. Ich glaube, dass Übung sehr wichtig ist. Ich merke bei mir selbst, dass zwischen meinen Bildern, die ich im April gemalt habe und den Bildern, die ich heute male, ein großer Unterschied liegt. Bei mir ist in kurzer Zeit schon viel weiter gegangen. Ich glaube daher schon, dass es in gewisser Weise Übungssache ist. 

Gab es schon mal eine Phase, in der es dir schwer fiel, zu malen? In der du einfach keine Lust oder keine Inspiration hattest?

Das gibt es schon auch. Wenn ich müde bin, dann ist es schon manchmal schwierig, sich zu motivieren. Es ist ja trotz allem viel Arbeit. Zwar eine wunderschöne Arbeit, aber trotzdem Arbeit. Wenn dann aber ein Bild fertig ist, dann kommen solche Glücksgefühle in mir hoch. Das ist die Arbeit dann auf jeden Fall wert.  

Welche Musik hörst du beim Malen – gibt es da eine spezielle?

Ich höre meistens sehr entspannte Musik wie Jack Johnson, Frank Ocean, Mac Miller.

Was bedeutet das Malen für dich? 

Das Malen ist wie Meditieren für mich. Ich vergesse dabei auch zum Beispiel, dass ich ein Handy habe. Manchmal schaue ich wirklich stundenlag gar nicht drauf. Da kommt es dann auch schon mal vor, dass ich etwas verpasse oder vergesse, zurückzuschreiben, weil ich einfach so intensiv drin bin und an nichts anderes denke. Also ja, Malen ist für mich fast schon wie Meditation.

Woher nimmst du die Inspiration für deine Bilder?

Inspiration bekomme ich hauptsächlich von Pinterest, von Postern, die mir gefallen. Oft nehme ich aber auch Fotos von meinen Ski- oder Bergtouren und hol mir davon Ideen. Seit ich so viel male, sehe ich die Berge mit anderen Augen. Mir fallen das Licht, aber auch die Farben und Formen viel intensiver auf. Mittlerweile schätze ich es auch, wenn das Wetter mal nicht perfekt ist, weil sich die Landschaft durch die Wolken oft noch spannender und vielseitiger zeigt.

 Wo malst du für gewöhnlich?

Wenn ich daheim bin und das Wetter schön ist, dann mal ich sehr gerne auf der Terrasse. Wobei das gar nicht so ideal ist, wenn die Sonne scheint, denn dann trocknet die Farbe zu schnell. Oft male ich auch in der Küche auf dem Fliesenboden. Da ist mir aber dann die Mama immer sauer, wenn der Fliesenboden voller Farbe ist. Da haben wir aber mittlerweile auch eine Vereinbarung getroffen. Unter der Woche darf ich mich ausbreiten, am Wochenende muss es dafür sauber sein. Ich male aber auch in meinem Zimmer in Innsbruck. Mein Boden wird dadurch zwar in Mitleidenschaft gezogen, aber den kann ich ja dann abschleifen, wenn ich ausziehe.

Deine Bilder haben in gewisser Weise – besonders in Hinsicht auf die stark berg- und skilastigen Motive – Ähnlichkeiten mit dem Kitzbüheler Künstler Alfons Walde. Inspiriert er dich oder auch andere Künstler?

Die Arbeiten von Alfons Walde gefallen mir unglaublich gut. Auch die Werke von Xenia Hausner und Alex Katz beeindrucken mich. Vor allem wie die beiden mit Farben arbeitet, find ich sehr inspirierend.

Katrin Hinterholzer mit einem ihrer Werke. © privat

Gibt es auch einen Menschen außerhalb der Kunst, der dich inspiriert?

Ja, die Tänzerin Julianne Hough. Die hat gerade einen neuen Tanzstil entwickelt. Wie sie ihr Leben lebt beeindruckt mich, dass sie so lebensfroh ist, sie macht auch Tanzshows, geht auf Touren innerhalb Amerikas. Sie hat auch bei Dancing With The Stars (Anm. der Redaktion: US-amerikanische Version von Dancing Stars) getanzt und das ist bis heute mein Traum, dass ich da auch mal dabei bin, auch wenn ich natürlich weiß, dass ich da als Profi nicht mehr hinkommen werde. Und als Promi… naja, mal schauen. Tanzen ist für mich einfach immer noch eine riesengroße Leidenschaft und Julianne Hough lebt das Tanzen.

Tanzt du selbst noch?

Wenn nicht gerade Corona ist, dann geh ich zu Tanzabenden und tanze Salsa oder Swing und das macht mir schon nach wie vor totalen Spaß.

© regina fotografie

 Dann hätten wir noch unsere drei Quicky-Fragen für dich:

Wie würde dein perfekter Skitag oder Tag am Berg ausschauen?

Das ist easy, weil den perfekten Tag durfte ich nämlich schon mal erleben. Da sind wir um ca. 9 Uhr mit einem großen Rucksack mit den Tourenskiern losgestartet. Das Wetter war wunderschön. Genau zu Mittag sind wir dann am Wildseeloder angekommen und haben dort unsere Jause gegessen. Es gab Brot, Käse, Obst, Gemüse, Brownies. An meinem Traumtag am Berg wäre da natürlich noch ein wunderschöner Sonnenuntergang dabei. Und unterwegs wäre ich mit meiner besten Freundin Magdalena oder meinem Freund Ben Kalra, der auch viel in den Bergen unterwegs ist.

Wenn du eine berühmte Person aussuchen könntest, um mit ihr den Tag zu verbringen, wen würdest du auswählen? 

Taylor Swift.

Dein Lieblingslied beim Malen?

Das ändert sich zwar immer wieder, aber das Lied, das ich echt liebe, ist First Day of My Life von Bright Eyes.

Eine Sache, ohne die du nicht leben könntest. 

Ohne die Sonne könnte ich nicht leben.