Montevideo, 12. Oktober 1972. Eine Maschine der Air Force verlässt den Flughafen der uruguayischen Hauptstadt und steuert das Endziel Santiago de Chile an. An Bord eine Rugby Mannschaft sowie einige ihrer Freunde und Verwandten. Was zu diesem Zeitpunkt noch niemand ahnt: das Flugzeug wird sein Ziel niemals erreichen. Über den Anden, der wilden, weiten Gebirgskette Südamerikas, stürzt die Maschine ab. Zwölf Personen sterben sofort. Für die 33 Überlebenden beginnt ein langer, harter und scheinbar auswegloser Kampf gegen die Zeit, die Natur und den omnipräsenten Hunger, der sie schließlich dazu zwingt, das Fleisch ihrer toten Kollegen zu essen. Als auch diese Ressourcen spärlich werden und noch immer keine Rettung in Sicht ist, machen sich drei Männer auf den gefährlichen Weg, um hinter den wilden Bergen der Anden nach menschlicher Hilfe zu suchen. 72 Tage später wird die Gruppe der Überlebenden, die mittlerweile auf 16 geschrumpft ist, gerettet.  

Was sich zwischen Oktober und Dezember des Jahres 1972 abspielte, gilt heute als das “Wunder der Anden”. Die Geschichte gilt als eine der spektakulärsten und unglaublichsten Überlebens- und Abenteuer-Ereignisse aller Zeiten. Bis heute werden die Überlebenden des Flugzeugabsturzes in ihrem Heimatland und darüber hinaus als Helden gefeiert, als Überlebenskünstler und Abenteurer.

Und genau diese krasse Geschichte wird in Überleben detailgetreu und ausführlich dokumentiert. Der damals erst 30-jährige Autor Piers Paul Read machte sich nur kurze Zeit nach der unglaublichen Rettung der Uruguayer an die Arbeit, um unverblümt und genau zu rekonstruieren, was sich auf den Anden abspielte.

Read orientiert sich ausnahmslos an den bewiesenen Fakten und an den Aussagen der Überlebenden, mit denen er monatelang unzählige Interviews durchführt. Ihm gelingt es, die Geschichte weder zu sensationalisieren noch zu emotionalisieren. Trotzdem spart er nicht an schaurigen Einzelheiten. Er schildert, wie die Männer auf Kannibalismus zurückgreifen mussten, um zu überleben und wie sie lange mit dieser Entscheidung zu kämpfen hatten. Sterben oder das Fleisch ihrer toten Freunde und Verwandten verzehren – ein Dilemma, das die Gruppe stark entzweite.

Das Buch Überleben war eines der ersten erfolgreichen Sachbücher, in dem der Autor ein Ereignis mithilfe von Recherche- und Beweismaterial sowie Zeugenaussagen in chronologischem Ablauf erzählte. Piers Paul Read revolutionierte diese Art des Schreibens und Erzählens und wurde damit belohnt, dass sein Buch bis heute als eines der bekanntesten und angesehensten dieses Genres zählt.

Auch heute noch, Jahrzehnte nach dem Absturz, lesen unzählige Menschen das Buch oder erfahren auf der Kinoleinwand über die Ereignisse, die in den 90er-Jahren gelungen verfilmt wurden.

Mein persönliches Fazit: Überleben ist eines der fesselndsten Bücher, das ich je gelesen habe. Ich fieberte mit den Überlebenden mit, trauerte mit ihnen und jubelte, als sie schließlich gerettet wurden. Schon bevor ich die erste Seite aufschlug, wusste ich grob um was es ging und was sich damals in den Anden abspielte. Doch Piers Paul Read erzählt die Geschichte so detailliert, dass selbst über das Ereignis gut-informierte Menschen unzählige neue Einzelheiten und Fakten erfahren können. Wer Überleben liest, der lernt hautnah, wie es den Überlebenden erging, mit welchen Schwierigkeiten sie zu kämpfen hatten und wie unermüdlich die Familien und Freunde der Passagiere nach den Männern suchten – auch als alle anderen ihnen versicherten, dass die Männer so lange Zeit niemals in den Anden überleben könnten. Überleben ist ein aufwühlendes und zutiefst berührendes Buch. Ich stellte mir stets die Frage: “Was würde ich in so einer Situation tun?” und entwickelte eine unglaubliches Mitgefühl für die Überlebenden, die Verunglückten sowie deren Familien. Gänsehaut pur!