Tag für Tag haben wir die Wahl zwischen multinationalen Unternehmen und kleinen, heimischen Betrieben, zwischen der Anonymität von großen Ketten und persönlichen, familiären Kauferfahrungen. Viel zu oft entscheiden wir uns für den Ein-Klick-Einkauf bei Amazon oder für am Fließband angefertigte Produkte großer Ketten. Und das obwohl kleine, lokale Unternehmen gerade jetzt unsere Unterstützung brauchen. Amazon überlebt es, wenn wir die Schuhe nicht beim Internet-Riesen kaufen, der kleine Schuhladen um die Ecke vielleicht nicht. Gestern ging es bei Regionalität darum, die heimische Wirtschaft zu fördern, heute, zu Zeiten einer Pandemie, die erhebliche wirtschaftliche Folgen hat, geht es um das Überleben kleiner Boutiquen, Handarbeits-Betriebe oder unabhängiger Buchläden. Bergluft hat mit Oliver Allmoslechner gesprochen. Der Reither engagiert sich seit vielen Jahren für Regionalität und hat 2016 gemeinsam mit einem Kollegen die regionale Online-Plattform Herzregion ins Leben gerufen. 

Bergluft: Wie kommt es, dass du dich schon in jungen Jahren für Regionalität eingesetzt hast?  

Oliver Allmoslechner: In meiner Familie betätigen sich viele meiner Verwandten unternehmerisch, auch beide Elternteile. Seit meiner Kindheit sehe ich, wie viel Herzblut von unseren heimischen Unternehmen in ihre Betriebe gesteckt wird. Aber auf der anderen Seite sehe ich auch, wie enorm sich das Konsum- und Einkaufsverhalten in den letzten Jahren verändert hat und wie stark das Internet dazu beigetragen hat. Für mich schließen sich die Online- und Offline-Welten nicht gegenseitig aus. Aber damit auch Unternehmen, die stark regional verankert sind, von der neuen Welt profitieren, bedarf es Initiativen. Da ich mich schon immer für die “digitale Welt” interessiert habe, war das Projekt “Herzregion” eine Initiative, um regional-digital Akzente zu setzen.    

Bergluft: Warum sind Regionalität und die Unterstützung von kleinen, lokalen Unternehmen jetzt wichtiger denn je? 

Oliver Allmoslechner: Werden 100 Euro bei einem regionalen Betrieb ausgegeben, so bleiben 60 Euro davon in der Region. Heimische Unternehmen schaffen Arbeitsplätze und tragen zum Wohlstand unserer Gesellschaft bei. Zudem tragen diese Unternehmen zu belebten Ortskernen und Städten bei. Wenn wir das auch künftig wollen, sollten wir uns beim nächsten Online-Kauf bei Internetgiganten die Frage stellen: “Gibt es die Schuhe womöglich auch beim Schuhfachgeschäft vor Ort? Bzw. kann ich dasselbe Paar vielleicht bei einem regionalen Onlineshop bestellen?"  

Bergluft: Wie können wir kleine, lokale Unternehmen unterstützen?   

Oliver Allmoslechner: Erstens: Wenn du etwas online bestellen willst, stell dir die Frage, ob du dasselbe Produkt möglicherweise auch vor Ort bekommst. Meistens genügt ein Anruf. Immer mehr lokale Stores betreiben mittlerweile auch Onlineshops. Die Preisdifferenz ist zumeist nicht existent. Kauf regional-digital! 

Zweitens: Verzichte auf Beratungsdiebstahl. Das heißt, gehe nicht in ein Geschäft um dich zu erkundigen, oder etwas anzuprobieren, nur um es dann im Internet zu kaufen.  

Drittens: Unterstütze deine heimischen Betriebe vom Sofa aus: Schreibe positive Google-, Facebook- oder Herzregion-Bewertungen. Teile Social Media-Inhalte deiner lokalen Unternehmen – werde zum regionalen Mikro-Influencer. 

Bergluft: Was bringt es uns Konsumenten, wenn wir unsere Produkte anstatt von großen Ketten und multinationalen Unternehmen von kleinen Bauernhöfen und Läden in unserer Region beziehen?  

Oliver Allmoslechner: Bei Hofläden und regionalen Nahversorgern ganz klar: Du weißt wo es herkommt. Keine versteckten Lieferketten, sondern ehrlich und hoch-qualitativ. Wer regional kauft, kauft nachhaltig – sowohl im ökologischen, gesellschaftlichen als auch wirtschaftlichen Sinne.  

Bergluft: Regional zu shoppen macht nicht nur Sinn, weil wir damit die heimische Wirtschaft unterstützen. Oft ist die Kauferfahrung viel persönlicher, die Produkte von höherer Qualität und die Stimmung familiärer. Wann war das letzte Mal, als du dich in deiner Heimat für ein lokales Unternehmen entschieden hast und durch Faktoren wie diese verzaubert wurdest? 

Oliver Allmoslechner: Susa Hartrumpf vom Milk Changing Room in St. Johann ist eine absolute Empfehlung. Top-Service und Beratung. Ich bin ein sehr pragmatischer Einkäufer, weiß aber oft nicht, was ich benötige. Der Milk Changing Room zeichnet sich durch ehrliche und kompetente Beratung aus. Der Sport Etz in Kitzbühel hat mir während der Corona-Krise einen hervorragenden Laufschuh geliefert (so schnell liefert nicht einmal Amazon). Seitdem habe ich beim Laufen keine Knieprobleme mehr. 

Vom Tiroler Bauer Hofer Bio Wagyu bekomme ich ausgezeichnetes nachhaltiges Wagyu-Fleisch zum Grillen, bessere Qualität findet man selten. Ich versuche derzeit nämlich, meinen Fleischkonsum auf regionale Anbieter zu reduzieren, kein abgepacktes Supermarktfleisch zu kaufen. Bei Hofer Bio-Wagyu weiß man, wo es herkommt! 

Bergluft: Danke für das Gespräch und die Tipps, Olli!